» Cleveland - Sandusky - Cleveland

Cedar Point

Die höchste Achterbahn der Welt - fast 100 Meter hoch Ein Urlaub muss mit einem Paukenschlag enden. Heute steht eine Fahrt nach Sandusky auf dem Plan, wo auf einer schmalen Landzuge der Freizeitpark Cedar Point in den Lake Erie gebaut wurde. Er beherbergt die zur Zeit höchste Achterbahn der Welt "Millenium Force" mit einem Firstdrop von fast 100 Metern. Eine ähnliche, nicht ganz so hohe, aber rasantere Bahn steht in Deutschland im Holiday Park. Cedar Point beherbergt ausserdem weitere 12(!!!) Achterbahnen, dazu noch ein paar Waterrides, usw. Ein bisschen Glück gehört bei dem Besuch auch dazu, denn eigentlich ist die reguläre Saison schon vorbei. Der Park hat nur an ausgewählten Tagen mit einem Halloween Special offen. D.h. der Park macht erst um 12 Uhr Mittags auf, dafür hat er aber auch bis um Mitternacht geöffnet.

Höha, schnella, weita

Die nasseste Wildwasserbahn der Welt - fast 100 Liter im Boot Da die Millenium Force noch brandneu ist, wird dort auch die Schlange sehr schnell unerträglich lang werden. Damit ich nicht den Großteil meiner Zeit mit Anstehen verbringe, renne ich als allererstes dort hin. Die Wartezeit mit 1:30 Stunden hält sich dann auch noch im erträglichen Bereich. Später stelle ich fest, dass es sich bis auf 2:30 ausgedehnt hat. Was gibt es über die Fahrt zu sagen? Hoch und schnell ist sie, die Bahn. Aber leider zu ruhig. Die Streckenführung ist so sanft und unspektakulär, dass eine Fahrt völlig reicht. Der Park hat ja noch sooo viel anderes zu bieten. Ein wenig enttäuscht wird man als Deutscher, da man hier aufwendig gestaltete Themenparks gewohnt ist. Dies ist in Amerika aber eher die Ausnahme (ja, Disneyland ist eine Ausnahme!).

Wildwasser

Hier gehts rund... Hier wird der Schwerpunkt mehr auf die Fahrgeschäfte gelegt. Der Park bietet unter anderem auch einen Rapid River. Für nicht so bewanderte Freizeitparkgänger: Dies sind Rundboote mit 6 - 12 Sitzen, die auf einem überdimensionalen Gummireifen montiert sind und dann eine Stromschnellenfahrt hinab rauschen. Es war ja schönes Wetter, also suche ich mir das Ende der Schlange. Allein den Eingang zum Ride zu finden ist schwierig, da noch keine Leute anstehen, und dieser ein wenig zugewachsen ist. Ich laufe also den Weg entlang - immer noch keine Leute - und passiere ein Schild auf dem steht: "You WILL get wet". Na ja, die Amis halt, aus Versicherungsgründen müssen sie es halt schreiben, damit sie nachher nicht eine Klage in zig Millionen Dollar Höhe am Hals haben.

Wasser marsch!

...sogar Nachts Ich komme an der Boot-Station an. Immer noch keine Leute. Die Bahn ist aber in Betrieb. Da ausreichend Grün am Rand der Bahn ist, sind die Boote schon reichlich mit welkem Laub gefüllt. Dummerweise kann dadurch das Wasser im Boot nicht mehr ablaufen, was dazu führt, dass in allen Booten rund 20 Zentimeter steht. Es findet sich dann doch noch ein Teenie-Pärchen, dass mit mir in einem 8er Boot sitzt. Und nun gehts los. Das Boot rauscht auf den nächsten Wasserfall zu. Man kennt das ja aus Deutschland, das Boot wird kurz vorher durch ein Hindernis im Wasser in eine andere Richtung gelenkt. NICHT SO HIER! Das Boot rauscht direkt drunter DURCH! Mit mir! Innerhalb von einer Sekunde entladen sich 15 Liter Wasser über mich. Ich bin nass. Ganz nass. Dass das Boot noch unter einem zweiten Wasserfall durchfährt, spielt eigentlich keine Rolle mehr. Zum Glück werde ich im Laufe des Tages wieder trocken…

» Cleveland

Pause für den Flitzer

Clevelands Courtyard Diesen Tag verbringe ich mit Marlies in und um Cleveland. Mein roter Flitzer hat erstmal Schonzeit. Und die braucht er auch. Die Fahrt scheint ihn mehr mitgenommen zu haben als mich. Aus unerklärlichen Gründen ist die gesamte rechte Wagenseite mit einer dicken hellbraunen Dreckschicht versehen. Außerdem stellen wir fest, dass der linke Vorderreifen nur noch sehr wenig Luft hat. Wir pumpen ihn auf und hoffen, dass er noch die letzten zwei Tage durchhält, bis ich den Wagen wieder abgebe.

Cleveland innen…

Cleveland Browns Football Stadion Cleveland ist eine sehr interessante Stadt, die sich reichlich Mühe gibt, die Tristess manch anderer Industriemetropolen abzuschütteln. Dies dauert natürlich seine Zeit, aber zumindest der Kern der Innenstadt ist schon sehr schön - sofern man das bei einem Tag Aufenthalt behaupten kann. Die Cleveland Browns haben sich erst kürzlich ein neues Football-Stadion gebaut, das direkt am Lake Erie liegt. Direkt neben der Rock n’Roll Hall of Fame. Zusammen einem sehr interessanten Architektur-Mix.

…und außen

Rock n'Roll Hall of Fame Nachmittags gehts raus aufs Land. Die Amish sind hier recht stark vertreten und dominieren mit ihrer mittelalterlichen Lebensweise das Landschaftsbild. Dies hat unter anderem den Vorteil, dass man hier überall frische Waren kaufen kann. Und so machen wir auch bei einigen Läden stopp, wo Marlies noch ein paar Sachen einkauft. Der letzte Halt ist auf einer kleinen Büffelfarm. Dort betreibt ein alter Mann mit schneeweißem Haar einen Shop, in dem er Indianerwaren und zur Schlachtzeit auch Büffelfleisch verkauft. Was macht eigentlich Charles Bronson? Weiss das jemand? Ich schwöre, dieser Mann hat eine solche Ähnlichkeit mit ihm gehabt, dass es mich nicht wundern würde, wenn er es wirklich gewesen wäre.

The Flats

Rock n'Roll Hall of Fame von der Seeseite Abends stößt dann auch Hartmut zu uns. Man vergisst ja im Urlaub ganz gerne, dass andere Leute noch Arbeiten müssen. In den "Flats", den alten Docks von Cleveland, hat sich ein sehr buntes Nachtleben entwickelt. Die Bars und Clubs haben zum Großteil Terrassen zum Fluss Cuyahoga. Zwischen dem Ost und Westufer pendeln Wassertaxis. Ein "must see" für jeden Cleveland Tourist. Nette Anekdote am Rande: 1969 war der Fluss durch die hiesige Petrochemie dermaßen stark verschmutzt, dass er Feuer fing! Diese Zeiten sind aber zum Glück vorbei.

» Syracuse - Cleveland

Ziel in Sicht

Impressionen Der letzte Tag des ewigen Kilometer Fressens bricht an. Heute Abend werde ich - so Gott möchte - in Solon bei Cleveland ankommen. Zu behaupten, dass ich keine Lust mehr habe ist vielleicht übertrieben, aber irgendwie schlaucht das ewige Auto fahren doch ziemlich. Und so freue ich mich schon darauf, heute Abend mal nicht in einem Bett zu schlafen, in dem schon 2000 Leute vor einem gelegen haben.

Wollen wir übers Wetter reden?

Road to hell Über diverse "Spar-Straßen" geht es in Richtung Niagara Fälle. Ich habe aber auch ein verdammtes Glück mit dem Wetter. Bis auf den Regen in New York und dem zeitweise bewölkten Himmel, habe ich auch heute wieder strahlenden Sonnenschein bei frühligshaften Temperaturen.

Die Niagara Fälle

Niagara Fälle im Detail... Also ich muss schon sagen: Nicht schlecht so ein Niagara Fall. Vielleicht ein wenig stark betoniert, da auf beiden Seiten des Wasserfalls massive Bebauung statt gefunden hat. Auf jeden Fall macht er einen Höllenlärm, der aber irgendwie beruhigend ist. Es macht eben doch einen Unterschied, ob der Lärm natürlichen Ursprungs ist oder doch eher künstlich in Form eines startenden Flugzeugs entsteht. Auf Empfehlung meiner Mutter, fahre ich von hier aus noch nach Kanada rein um mir die Stadt "Niagra on the lake" anzugucken.

Der Eiserne Vorhang

...oder doch lieber als Panorama? Zwischen Amerika und Kanada ist eine richtige Zollstation, mit Passkontrolle und allem was dazu gehört ("Haben Sie was zu verzollen?"). Dem Schengen-verwöhnten Europäer mutet dies fast schon wie der Eiserne Vorhang an. Die Stadt selber ist für mich zumindest eine Enttäuschung. Sehr touristisch. Jede Menge blühende Blumen an den doch sehr gepflegten Straßen - nur bin ich leider kein großer Botaniker. Egal, so war ich auch mal in Kanada. Nun aber schnell nach Cleveland. Diesmal aber wirklich schnell und auch mal den teuren Maut-Highway genommen. Dann noch ein wenig planlos durch Solon gefahren, bis ich endlich bei Hartmut und Marlies ankomme und in einem richtigen Bett schlafen kann.

» Twin Mountains - Syracuse

Neue Ziele

Allein auf weiter Flur Nun wirds stressig. Wenn man die ganze Reise über trödelt, man aber Ziele hat, dann kommt irgendwann der Punkt, wo man im wahrsten Sinne des Wortes mal Gas geben muss. Morgen Abend will ich in Cleveland sein und vorher noch die Niagara Fälle gesehen haben. Also Karte her und Strecke halbiert um ein Lager für die Nacht anzuvisieren. Aha, das Ziel heißt Syracuse. Nun aber mal nicht hetzen, der Weg ist schließlich das Ziel.

Haushaltsloch

Feuer!!! Da ich ja ein alter Schotte und ein wenig klamm im Geldbeutel bin, entscheide ich mich nur so wenig Highway wie möglich zu fahren. Die Motels waren doch teurer als erwartet, so dass ich doch anfangen muss ein wenig zu Haushalten. Die Mautstrassen werden also gegen kostenlose Landstrassen getauscht. Die schönsten Strecken liegen sowieso etwas abseits und nur dort hat man die Gelegenheit auch mal anzuhalten und das eine oder andere Foto zu machen. Meinen Zeitplan wirft dies gehörig aus der Bahn.

Pizza Hut at its best

Heute schon geangelt? Ganz in alter New Yoker Buffet-Schreck Tradition falle ich irgendwo auf dem Weg zwischen A und B in einen ziemlich verlassenen Pizza Hut ein. Dort bestelle ich mir eine Cheezy Crust. Wer die Dinger kennt, weiss wie mächtig die sind. Die Kellerin guckt zwar etwas zweifelnd, sagt aber nichts. Auch dann nicht, als ich den letzten Schluck Cola austrinke und sie meinen leeren Teller wieder abräumt. Ihre Augen waren allerdings leicht geweitet vor Entsetzen.

Alternative Streckenführung

Wer möchte hier nicht zumindest mal Urlaub machen Weiter gehts über Landstraßen quer durchs Land. Zwischendrin geht mir mal wieder die Orientierung verloren. Nach dem Prinzip "immer der Nase nach" finde ich dann aber doch wieder auf meinen ursprünglichen Weg zurück und bin dann bis kurz nach Sonnenuntergang in Syracuse. Gerade am Anfang des Tages habe ich noch sehr viel malerische Landschaften gesehen. Je weiter ich aber an mein Tagesziel komme, desto karger wird die Gegend. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur müde.

» Nashua - Twin Mountains

Streifschuss in Maine

Ein Friedhof - mal wieder Der Wendepunkt der Reise ist bereits überschritten. So langsam muss man mal an den Rückweg denken. Das Ziel ist Cleveland. Telefonisch habe ich mit meinen Bekannten Hartmut und Marlies bereits ausgemacht, dass ich übermorgen Abend in Cleveland eintreffen werde. Dieses Ziel bestimmt die nächsten Tage. Für heute plane ich noch etwas grosszügiger. Zuerst will ich noch ein Stück die Küste rauf, um dort ein Factory Outlet in Freeport/Maine zu besuchen.

Shop ’til you drop

Blick auf Boston Common Das ist ja einfach unglaublich! Wohnt in dieser Stadt auch noch jemand? Es scheint, als würde diese Stadt ausschließlich aus Factory Outlets bestehen. Ein Shopping-Paradies für alle, die sich nach Herzenslust gehen lassen wollen. Wenn man wollte könnte man hier sein komplettes Leben neu ausstatten. Ich versuche mich zu bremsen und kann mich nur mit einiger Mühe zurück halten. Vor allem der Timberland-Shop ist im Vergleich mit deutschen Preisen sagenhaft günstig.

White Mountains

Sand gefällig? Während der Vorbereitung dieser Reise in Deutschland hat mir Marcus auch empfohlen, unbedingt in die White Mountains zu fahren. Das ist ein National Forest, der grosse Teile von Nord-New Hampshire bedeckt. Im Winter wird hier sehr viel Ski gefahren. Im Herbst ist es aber noch ziemlich ruhig. Nur ein paar Touristen verirren sich hierher, um den Indian Summer zu bewundern, der während meiner Reise allerdings erst kurz bevor stand.

Mount Washington

Immer schön am Strand lang Die Nacht verbringe ich in einem sehr familiären Motel in Twin Mountains, nur ein paar Kilometer vom berühmten Mount Washington Hotel entfernt. Wer nicht weiß, wovon ich rede, sollte sich unbedingt den Film "The Shining" mit Jack Nicholson angucken. Genau DIESES Hotel! Die Frau an der Rezeption meines Motels war indianischer Herkunft. Da nicht sehr viel zu tun war, haben wir noch ein bischen geschnackt, so dass ich eine Menge über die Gegend erfahren konnte. Leider blieb mir keine Zeit, um noch einen der dort ausgewiesenen Wanderwege auszuprobieren. Das doch recht schwierige Gelände macht die kilometermäßig recht kurzen Trails fast ausschließlich zu Tageswanderungen.

» Nashua - Boston - Nashua

Billig parken

Boston - Alt und Neu Nachdem es mir gestern Abend schon wieder sehr viel besser ging, bin ich heute wieder fit. Das ist auch gut so, denn ich will nach Boston, um mir die Innenstadt zu Fuß anzusehen. Ich habe schon sehr viel Gutes über diese Stadt gehört, dass ich sehr gespannt bin. Von meinem Nachtquartier, das ich in weiser Voraussicht gleich für zwei Nächte gebucht habe, mache ich mich von Norden nach Boston rein. Ich habe keine Ahnung, wie nah ich schon am Zentrum bin, aber nachdem die Straßen immer stärker befahren, der Verkehr immer mehr zunimmt und ich auch schon die ersten U-Bahn Schilder sehe, beschliesse ich, mein Auto zu parken. Gegenüber einer U-Bahnstation ist ein großes Einkaufszentrum mit Parkplatz. Ei super, nix wie rauf auf den Parkplatz und ab in die U-Bahn.

Boston

Das ältste Haus Bostons am Freedom Trail Boston ist tatsächlich beeindruckend. Sehr europäisch. Wird sonst doch recht viel in Holzbauweise errichtet, finden sich hier eher die europäisch angehauchten Steinhäuser. Auch der Kontrast in der Innenstadt zwischen den riesigen spiegelverglasten Konzernmonumenten und den dazwischen fast schon eingefercht wirkenden alten Häusern mit höchsten 3 oder 4 Stockwerken ist fantastisch.

Der Freedom Trail

Irgendwie schön Der Freedom Trail ist der klassische "Wanderweg" durch Boston. Auf dem Asphalt ist eine rote Linie quer durch die Stadt aufgemalt, die einen an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten rund um die amerikanische Unabhängigkeit vorbei bringt. Umso weiter man aus der Innenstadt herauskommt, umso gemütlicher wird das Ambiente. Rote Backsteinhäuser stehen im Kontrast mit jeder Menge Grün aus den Vorgärten, die eine ganz eigene Ruhe ausstrahlen. An der USS Constitution, einem Kriegsschiff von anno Tobak, unterhalte ich mich mit einem ältern amerikanischen Paar. Diese halten mich zuerst für einen amerikanischen Marinesoldat und fangen gleich ein freundliches Gespräch an. Als ich ihnen erzähle, dass ich aus Deutschland komme, sind sie ganz begeistert, und das obwohl er im zweiten Weltkrieg in Europa gegen Deutschland gekämpft hat.

Parken für Fort-Geschrittene

Bunker Hill Aber auch ein solcher Tag (das bisherige Highlight meiner Reise) ist irgendwann mal vorbei. Mit der U-Bahn gehts zurück zur Mall. Die ist noch da, wo sie morgens war, nur mein Wagen ist das nicht! Also ab zum Parkplatzwächter und sich dort an die Schlange (?!) angestellt. Siehe da, die sind das wohl schon gewöhnt und lassen alle Touries abschleppen. So auch mich. Zusammen mit noch zwei weiteren Gruppen machen wir uns auf an die nächste Bushaltestelle um irgendwo in einer nicht ganz so freundlichen Ecke von Boston unsere Autos für jeweils 50 Dollar wieder auszulösen. Trost am Rande: Das Parken in Boston hätte pro Tag 46 Dollar gekostet - und man hätte weniger zu erzählen gehabt.

» Middle of Nowhere - Nashua

Klopf klopf

White Horse Beach Was ist das? Es ist stockdunkel. Und es klopft an meiner Seitenscheibe. Ein schwarzer Amerikaner mittleren Alters steht neben meinem Auto. Ich kurbel ein wenig die Scheibe runter. Er fragt mich nach der Uhrzeit (ich Idiot, der muss doch selbst eine Uhr haben, für solche denkerischen Leistungen reicht es bei mir noch nicht kurz nach dem Wach werden). Ich gucke aufs Armaturenbrett. Ich sage ihm: "Drei Uhr". Er fängt an Süßholz zu raspeln, ich wäre ein gut aussehender Mann. So langsam dämmert es mir. Ich sage ihm sehr bestimmt, dass wir hier fertig sind. Er trollt sich und geht zurück zu seinem Auto, lässt es an und fährt weg.

What the fuck…

Strand auf Cape Cod Irgendwas stimmt mit dem Wagen von ihm nicht. Der hört sich reichlich krank an. Ich höre wie der Wagen wegfährt und denke mir, mal sehen ob der wieder kommt. Und siehe da, es dauert keine 5 Minuten, da hört man ihn auch schon wieder antuckern. Ich denke, ich habe mein Glück genug herausgefordert und werde schnell mal den Schlafplatz wechseln. Zum Glück fühle ich mich wieder etwas fitter. Der Schlaf hat gut getan. Ab auf den Highway und Gas gegeben. Im Rückspiegel sehe ich nichts mehr. Zur Sicherheit runter vom Highway und ziellos bis in den kleinen Ort White Horse Beach gefahren wo ich den Wagen abstelle um noch ein paar Stunden bis zum Sonnenaufgang zu schlafen.

Cape Cod

Cape Cod wie es die Amerikaner sehen Sehr viel später erfahre ich, dass amerikanische Highway-Rastplätze Nachts beliebte Schwulentreffs sind. Das hätte mein Reiseführer aber auch mal schreiben können. Des Weiteren erfahre ich, dass das Übernachten auf Highway-Rastplätzen strafbar ist. Hätte mich die Polizei erwischt, wäre ich vielleicht für die Nacht in den Bau gewandert. Dann wäre erstmal nichts mit weiterfahren gewesen. Dabei wollte ich doch heute raus nach Cape Cod. Die seltsam geformte Landzunge, die bei den Amerikanern ein beliebtes Badeziel ist. Ich fahre hauptsächlich auf der Innenseite der Zunge lang und habe doch meine liebe Not mal einen Strand zu finden. Sehr viele Häuser sind direkt ans Wasser gebaut und die Grundstücke somit Privatbesitz.

Einmal Massachusetts, bitte

Provincetown Ich gebe mir das volle Programm und fahre bis auf den letzten Zipfel von Cape Cod. Provincetown ist der letzte Ort und eigentlich recht nett. Vielleicht so ein bischen wie Rüdesheim aber im Gegensatz zu diesem schön anzusehen. Leider will ich heute noch bis in die Randbezirke von Boston, was bedeutet, dass ich noch viel Strecke vor mir habe. Ich entschließe mich nördlich von Boston, schon in New Hampshire zu übernachten. Dazu muss ich leider einmal von Süden nach Norden durch Massachusetts und auch noch quer durch Boston, wo es sich selbst am Sonntag Abend staut.

» Springfield - Middle of Nowhere

Reisen im Fieberwahn

Frischwasser Reservoir für halb Neuengland Der Tag fängt schon irgendwie komisch an. Ich fühle mich lustlos und irgendwie krank. Heimweh? Vielleicht. Ich drehe vormittags noch eine kleine Runde durch Amherst, das sowieso auf meinem Weg liegt, um dann in Richtung Osten zu fahren. Ganz in der Nähe liegt ein Stausee, der für halb Neuengland und New York die Trinkwasserversorgung sichert. So langsam dämmert mir, dass es wohl eher leichtes Fieber ist, was ich habe. New York lässt grüssen.

Wasser, das freie Gut

Bitte nicht rein spucken Fantastisch. Natur pur. Hier ist nichts los. Ich parke den Wagen, schlender ein bisschen am Ufer umher und mache ein paar tolle Fotos. In regelmäßigen Abständen stehen Schilder, die einem das Verschmutzen des Wassers verbieten und sogar auffordern, doch bitte Abstand vom Ufer zu halten. Ich entscheide mich, straffällig zu werden und probiere sogar von dem Wasser. Sehr lecker. Allerdings verstehe ich nicht, warum sogar das Wasser in Neuengland gechlort aus dem Hahn kommt.

Das Wandern ist des Amerikaners Lust

Rhode Island Ich bin irgendwie ziemlich fertig. Es ist erst Mittag, ich bin ziemlich müde und schwitze, obwohl es heute gar nicht so warm ist. Ich entscheide mich, am See noch spazieren zu gehen. Ein Wanderweg ist ausgeschildert. Ich bin gespannt. Die Amerikaner sind ja jetzt nicht unbedingt als Fußgänger verschrien. Und siehe da, nach einem Kilometer gleicht der Wanderweg einem Dschungelpfad.

Narkolepsie

Golfen am Ende der Welt Der Rest des Tages versinkt im Fiebertraum. Irgendwie schaffe ich es, die halbe Strecke bis Boston zurückzulegen. An einem der wenigen Highway-Rastplätze mache ich so gegen 16 Uhr ein kurzes Nickerchen. Danach arbeite ich mich irgendwie über Rhode Island weiter in Richtung Boston vor. Dabei fahre ich auf einer immer schmaler werdenden Straße in Richtung Küste, bis diese in einer Sackgasse endet mit einem Golfplatz an der Spitze. Strange. Abends um 9 bin ich völlig fertig. Ich muss schlafen. JETZT. Also, wieder Highway-Rastplatz und dort zurückgelehnt. Zumindest billig ist es. Um so weiter man Richtung Cape Cod und Boston kommt, umso schwerer ist es überhaupt noch ein Motelzimmer zu bekommen.

» Hartford - Springfield

Partymotel - Motel Party

Amherst - Studentenstadt und Schnallen-City So fahre ich also weiter, um mir dann in Hartford ein paar Meilen nördlich ein Motel zu suchen. Das liegt mitten in der Stadt und ist ziemlich groß. Mein traumatisches Erlebnis im Howard-Johnson kann es nicht bestätigen. Der Herr an der Rezeption ist zwar kein gebürtiger Amerikaner, aber sehr freundlich. Auch die Zimmer sind okay. Mit der erhofften Ruhe ist allerdings gegen 2.30 Schluss, als meine Zimmernachbarn von einem scheinbar doch recht fröhlichen Abendausflug zurück kommen. Dieser muss aber wohl doch recht anstrengend gewesen sein, da nach einer Stunde schon wieder Ruhe ist. Glück gehabt.

Dawsons Creek live

Marcus alte Wohnung - und Starbucks Kaffee - wie praktisch Im Hellen sieht die Gegend um das Motel doch nicht so doll aus, aber da ich auch immer auf den Preis gucke, verwundert es mich nicht weiter. Heute will ich auf jeden Fall in die Universitätsstadt Amherst, oder wie mein Freund Marcus sagt: "Schnallen-City". Und in der Tat, wer schon mal Dawsons Creek geguckt hat, wird hier zum ersten Mal belohnt. Das ist eine Stadt wie aus dem neuenglischen Bilderbuch eines Hollywood-Produzenten. Überall hüpfen junge, schöne Menschen rum.

Bilderbuch Uni

UMass Amherst Campus Da man ja neugierig ist, wie es sich denn in anderen Ländern so studiert, parke ich mein Auto auf dem sehr weitläufigen Universitäts-Campus und besorge mir als Erstes eine Karte. Ziemlich zentral in der Mitte des Campus ist der Bibliotheksturm, umgeben von einem kleinen See und diversen kleinen Gebäuden im Gründerzeit-Stil. Alles ist sehr aufgelockert gebaut. Zwischen den Gebäuden gibt es massig Grünflächen, auf denen es sich die Studenten bequem gemacht haben. Das Wetter ist übrigens superb!

Der Bücherwurm

Warum gibt es in Deutschland nicht so einen Campus? Obwohl ich mich trotz perfekter Tarnung immer noch als Fremdkörper auf dem Campus fühle, werde ich langsam mutig und betrete ein paar der Gebäude. Unter anderem kann ich mir die Bibliothek nicht entgehen lassen. Die ist dann vergleichsweise unspektakulär, da die meisten Bücher in anderen Stockwerken lagern und scheinbar nur mit einem Pass zugänglich sind. Ich bleibe im öffentlichen Teil und bin ganz erfreut, dass man hier auch kostenlos im Internet surfen kann. Also gleich mal eMails abrufen und den Kontakt zur Heimat aufrecht erhalten. Abends gehts dann nach Springfield in das erstbeste Motel.

» New York - Hartford

Auf Entdeckungstour

Das ist nicht Need For Speed! Morgens checke ich aus meinem Motel aus, da bei Vertex bereits nach dem Mittag Schluss sein wird und ich dann endlich auf große Entdeckungsreise gehen kann. Mittag fällt auf Grund des straffen Zeitplans deshalb leider aus. Schade. :) Das wäre wohl auch nur noch sehr schwer zu toppen gewesen.

Die Bronx

Gesiebte Luft Ich fahre nördlich an New York vorbei. Der Highway führt durch die Bronx und ich bin fast versucht, nochmal eine Ausfahrt zu nehmen. Da ich mich aber noch nicht so sicher für so einen Ausflug fühle und mir auch der gruselige Abend im abgedunkelten Finanzviertel in den Knochen steckt, entscheide ich mich dagegen. Dafür fahre ich etwas später eine Recreation Area an um ein paar Leuten beim Football spielen zu zusehen. Da ich mir für heute keine konkreten Ziele gesetzt habe, fahre ich einfach so ins Blaue. Nachdem ich den Bundesstaat New York verlassen und nach Connecticut reingefahren bin, verlasse ich auch schon sehr bald den landschaftlich doch recht schönen Highway und verfahre mich völlig.

Grabesruhe in Neuengland

Ein Wanderweg am Anfang... Trotz Strassenkarte bin ich völlig aufgeschmissen. Zum Glück kann gar nicht viel schief gehen, da ich mich in einem schmalen Bereich zwischen Highway und Küste bewege. Viele Orte bestehen hier nur aus ein paar Häusern, die fast ausschließlich an die Haupt-Durchfahrtsstrasse angrenzen. Ebenso wie alle Einrichtungen, die eben zu einem Ort gehören wie zum Beispiel - dem Friedhof! Ja, man bekommt den Eindruck, in Neuengland wird doch recht häufig gestorben. In schöner Regelmäßigkeit zieht ein Friedhof nach dem anderen an mir vorbei.

Prinz auf der Erbse

...und der selbe Wanderweg nach ca. einem Kilometer Die Nacht bricht herein und ich bin in der Nähe von New Haven. In meinem Reiseführer wird darauf hingewiesen, dass die Kriminalität hier doch recht hoch sei. Egal, ich suche mir trotzdem ein Motel. Das wird einem in den USA relativ leicht gemacht, da an jeder Highway-Ausfahrt immer Hinweistafeln für "Lodging", "Eating", usw. aufgestellt sind. Meistens gruppieren sich dann an einer Straße mehrere Motels und Fastfood-Restaurants. Ich nehme also eine beliebige Ausfahrt kurz hinter New Haven und denke mir: Okay, der Reiseführer hat recht. Hier übernachtest du besser nicht. Nachts um halb zehn war dort immer noch die Hölle los, so dass hier an eine ruhige Nacht wohl nicht zu denken ist.